09. Juli 2009

 

 

 

 

 

9. Juli 2008

 

                  

 

Original Song: Dear Mister President. Interpretin: Pink

Nachfolgender Text: Wolfgang Todtenhausen

 

Du mein geliebtes Kind,

ich denke oft an dich...

 

so wie du lachst, wie du singst,

so wie du tanzt und springst,

mit deinen Freunden scherzt,

auch manchmal mit den Fragen nervst.

 

All die dich mochten und  liebten, wo sind sie nur?

Von deiner Zeit als du lebtest fast keine Spur.

Warum traf uns,

was andere schon nicht mehr.....  im Herzen rührt?

 

Keiner von ihnen kennt diesen Abgrund und tiefen Schmerz,

weil sie niemals verspürten dieses Stechen im Herz,

Sie wenden sich ab, werfen selten einen Blick zurück,

und hoffen, sie halten für immer das Glück,

.....für immer das Glück.

 

Du mein geliebtes Kind,

ich denke oft an dich....

 

Sie vergleichen  deinen Tod mit dem ihres Hundes?

Gedenken jährlich der Festtage doch nie als du gingst?

Und glauben du bist durch ein anderes zu ersetzen?

Ohne dich leben ist doch schon so schwer genug,

......schwer genug!!

 

Was dachte Gott als er dich zu sich nahm?

Gehört dieses Leid

etwa zu einem Lebensplan?

Meinen Glauben zu prüfen wie echt er ist

und auch wie tief?

Warum nur wollte er dich

und nicht mich als er rief?

.....als er dich rief!!

 

Wo sind die Freunde von einst nur geblieben?

Hat der Tod eines Kindes sie wirklich vertrieben?

Verstummt, das gemeinsame Lachen und Scherzen.

Stattdessen ein einsames Weinen, bei brennenden Kerzen.

Dank all den Menschen die in zahlreichen Stunden,

den Weg zu uns trotzdem gefunden,

hilfreich vergangene Zeiten aufrühren,

und dabei ehrliches Mitgefühl spüren.

Die Zeit heilt den Schmerz glauben manche zu wissen,

sie brauchten wohl niemals ein Kind zu vermissen.

Doch sie hält das Versprechen nicht,

zu lindern den Schmerz,

...lindern den Schmerz.

Komm doch zurück....

bitte gebt uns zurück...

was wir so sehr liebten....

was wir so sehr liebten ....unendlich liebten

und es immer noch tun,

immer noch tun,

und ohne ....nicht wirklich leben können,

was viele nicht verstehen.... unmöglich verstehen.

Wir vergessen dich niemals,

auch wenn deine jetzige Welt noch so schön...unsterblich schön ist.

 

Du mein geliebtes Kind,

ich denke oft an dich....

 

© 2007 Wolfgang Todtenhausen                             

 

 

 

Ein Brief mit einem Blumengruß an ihrem Grab.

 

Julia, auch du hättest gestern Konfirmation gehabt. Das hat Hr. Schumacher extra erwähnt. Um uns alle noch einmal zu erinnern. Deine Geschichte wurde auch im Konfi-Unterricht erzählt, um die zwei in der Gruppe, die dich kannten zu erinnern und zu ermahnen, wie nahe Leben + Tod beieinander liegen. 

 

  

27.April 2008

 

 

Liebe Julia, geliebtes Kind.

gestern, am 27. April 08 wäre deine Konfirmation gewesen. Aus diesem Anlass sind wir an diesem Morgen in die Kirche gegangen um auch in diesem Rahmen an DICH zu denken. Es war schon sehr bewegend deine ehemaligen Freundinnen und Freunden zu begegnen und zu sehen. Der Pfarrer, mit dem wir auch ein wenig befreundet sind, erblickte uns umarmte uns unter Tränen.
Als er dann am Ende der Feier auch deinen Namen, liebe *JULIA, bei den Fürbitten erwähnte, brachen bei uns sämtliche Dämme. Während abschließend die KonfirmantenInnen beim Hinausgehen an uns vorbeizogen, drückte Pfr. Schumacher deiner traurigen Mama im Vorbeigehen noch schnell und stumm die Hand. Abschließend zündeten wir drei Kerzen für DICH an und sind dann gleich gegangen, ohne dass uns Andere, die DICH einmal persönlich gekannt haben, noch erblickten.

Schließlich wollten wir ihnen durch unsere Anwesenheit nicht den schönen Tag "betrüben".
Und dennoch waren und sind wir dankbar dafür, dass du geliebte *JULIA an diesem Tag nicht vergessen und kurz erwähnt wurdest. Dies war nun der letzte bereits lang feststehende Termin, den du *JULIA, so du noch bei uns währst, mitgemacht hättest.

Jetzt sind es nur noch deine Geburtstage und der Todestag.

Nach der Konfirmationsfeier sind wir dann in ein Cafè gegangen um zu Frühstücken und uns wieder ein wenig zu stärken. Gegen Nachmittag suchten wir erneut die FuZo auf, um bei herrlichsten Sonnenschein vor deinem Lieblingseisladen draußen sitzend, ein leckeres Eis zu essen. Wie gerne hätten wir dich dabei gehabt.


WIR VERMISSEN DICH SO SEHR  !!
Mama & Papa

***********************

 09. Juli 2007

Zitat: “Nun brennen vier Jahreskerzen.......auf ihrem Grab. Jede einzelne Kerze steht für 365 Tage und Nächte voll Traurigkeit. Allesamt aber für 1.460 Tage Sehnsucht und 35.040 Stunden stille Hoffnung auf ein Wiedersehen.“

So beschrifteten wir eines der Fotos, die jeder der mag im Internet-Album „Gedenken an Sie“ anschauen kann.  Doch der Text könnte auch anders lauten:

Nun brennen vier Jahreskerzen..... und unsere Julia ist am 9. Juli bereits vier Jahre nicht mehr bei uns. Wenn wir uns den Stapel der Briefe vor vier Jahren anschauen und vergleichen mit welchen Menschen wir heute noch freundschaftliche (alte) Kontakte pflegen, besteht ein gravierender Unterschied. Da reicht es gerade mal für eine Hand voll Paare. Wir sind durch den Tod unseres Kindes kritischer und sensibler geworden. Wir halten heute nur noch jene aus, die uns helfen weiterzuleben und mit denen wir über alles reden können....auch über unser Kind das wir immer noch jeden Tag vermissen und einfach nicht „totschweigen“ wollen und können.

Es sind die stillen Gesten der Erinnerung die uns helfen und uns Kraft geben sie „am Leben zu erhalten“. Dabei hat sich gezeigt, dass nach solch einem Trauma weder der Verwandtschaftsgrad noch die Anzahl der Jahre zählen, in denen man zuvor miteinander befreundet war.

An diesem 9. Juli 07 erhielten wir wohltuenden Zuspruch und Anteilnahme, bestärkende Worte voller Zuversicht und Hoffnung, und dies überwiegend von Menschen, die selbst diesen unbegreiflichen und schmerzlichen Verlust aushalten müssen. Es sind die geliebten Kinder die uns an solch einem Gedenktag verbinden und sie damit allesamt unvergesslich machen.

Wir danken allen die uns per Mail, SMS oder in Julias Gästebuch schrieben; denn eure lieben Zeilen haben uns diesen Tag doch ein wenig erträglicher gemacht.

Dagmar & Wolfgang mit Julia im Herzen...immer.

 

 

 

 

25. Mai 2007

 

 

Geliebtes Kind.

 

 Nach gemeinsamen Jahren,

mit Freude, Glück und Liebe erfahren,

doch dann wurdest du uns genommen,

 

und unzählige Träume zerronnen.

 

 

 

Welch bitteren Wege wir gehen,

wird wohl niemand verstehen,

der nicht selbst diese Tortur,

an Körper und Seele erfuhr.

 

 

 

Warum begreift man so schwer,

wie traurig, ziellos und leer,

und wie verändert wir sind,

ohne unser geliebtes Kind?

 

 

 

Warum nur musstest du gehen,

trotz Bitten, Weinen und Flehen?

Die Sehnsucht, sie kommt nicht zur Ruh,

denn das Wichtigste warst und bist DU.

Heute, am 25. Mai 07,  wärst du 13 Jahre alt geworden.

 

  

25. Mai 2006

 

Nun wäre SIE schon 12 Jahre alt und wir vermissen SIE jeden Tag aufs neue. Auf ihrem Grab befindet sich wieder einmal diese Zahl. Erst die 10...dann die 11....nun die 12 in bunten Glitzersteinen. Und immer stehen wir ungläubig davor...vor ihrem Grab. Dieser Schmerz...diese Traurigkeit....aber auch diese Hoffnung SIE einmal wieder zu sehen wird uns wohl immer begleiten.....gleichgültig wo wir uns auch gerade befinden.

Wie verbringt man einen solchen Tag? Die meisten von uns kennen dies zu genau und doch erlebt ihn jede(r) von uns völlig anders.

Für uns begann er mit dem Öffnen eines Briefes. Darin ein wunderschöner Schmetterling und Zeilen die das Herz berührten und sogleich die Tränen in die Augen trieb. Dann das Lesen der ersten Mails und Beiträge. Ja...all dies gilt deinem Kind....deinem verstorbenen Kind. Sicherlich hätte sie sich zu Lebzeiten ebenfalls über soviel „Anteilnahme“ gefreut, so wie wir es heute tun; wenn doch nur der Anlass nicht so verdammt traurig wäre. Ein wehmütiges Anzünden der Kerzen auf ihrem kleinen Altar im Wohnzimmer folgt, als verständnisvolle Nachbarn anklingeln um uns „nur“ einmal in die Arme zu nehmen und damit ihre Verbundenheit auszudrücken. Dann die Fahrt zum Friedhof die doch, so schrecklich es klingt, zur „Gewohnheit“ geworden ist. Schon von einiger Entfernung aus ist ihr Grab deutlich zu erkennen und die Gedanken hängen den Erinnerungen nach die sich vor und nach dem Tod unseres Kindes ereigneten. Der Himmel zeigte schwere dunkle Wolken und die Luft war von feinstem Nieselregen gefüllt. Es war uns völlig gleichgültig, denn unser Blick galt ausschließlich dem Grab unseres Kindes, dass heute besonders bunt war, so schien es jedenfalls. Wir zündeten die Kerzen an und blieben eine ganze Weile. Wie alleine man sich doch fühlen kann...so ganz ohne sein Kind. Gegen Abend besuchten wir erneut ihr Grab um dort 15 große Wunderkerzen anzuzünden, 12 für das Geburtstagskind JULIA und 3 für alle anderen  STERNENKINDER . Für einige Minuten funkelten tausende von kleinen Sternen hell auf und erleuchteten noch einmal den Platz auf dem unsere Julia mit all unseren Wünschen und Hoffnungen begraben liegt.

 

*  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  * + * * *

PS: Wer mag, kann sich einige Fotos von diesem Tag ansehen. Zu finden oben über >>Gedenktage.

 

Samstag 9. Juli 2005

 

– Nur ein wenig die Augen öffnen,

   um kurz auf die Uhr zu schauen,

   und dabei einfach nicht nachdenken

   um nicht wieder in diesen unerbittlichen Sog

   von Trauer, Schmerz und Sehnsucht zu geraten.

   6:44 Uhr da hatten wir noch gemeinsam gefrühstückt,

   wenig später läuten die 7 Uhr Kirchenglocken,

   haben sie auch geläutet..... vor zwei Jahren,

   an diesem Mittwochmorgen .....

   als ihr Sterben begann?

   Das einzige Geräusch an diesem frühen Morgen,

   ...........waren doch die Martinshörner,

   daran erinnern wir uns noch ganz genau.

   Einfach nicht nachdenken,

   und gemeinsam das Frühstück vorbereiten,

   die Sonne,..... sie scheint so wie damals......

   hat es nicht gerade geklingelt?–

   Weinend steht eine mitfühlende Freundin vor der Türe,

   wir würden gerne trösten, ....doch wie, wo alles so leer?

   Auf IHREM Grab schon früh die ersten frischen Blumen,

   das Wolkengebilde zeigt ein undeutliches „ J

   zwei Jahre, oder zwei Tage,..... einfach nicht nachdenken.

   –Die Orgelklänge....sie dringen in die Ohren und direkt bis ins Herz,

   jetzt nicht nachdenken, nicht an ihren kleinen weißen Sarg,

   nicht an ihr Lachen nicht an ihren Blick, nicht an.......

   sie scheinen sich zu bewegen, der Altar, die Sitzbänke....,

   sie verschwimmen zu einem Gebilde unter den Tränen,

   der seelische Schmerz ist immer noch stärker und größer

   ...........als der eigene Wille.–

 

*********************

 

 

 

Am 9. Juli 2004

 

Gemeinsam mit den Schulkindern der Klasse 4c und ihrer Lehrerin , gestaltete Pastor Schumacher einen Gedenkgottesdienst in Erinnerung an unsere und ihre Julia.


Unser stiller Dank gilt den Kindern aus Julias Schulklasse, Wiebke, Hanna, Franziska, Kelly, Timo, Robin, Ersel, Dilan, Leonie, Katharina, Jeaninne, Henning, Lukas, Patricia, Kevin, Dogancan, Ramona, Jasper, Irene, Jennifer, Nicolas, Anton, Daniel, Nedret, Özge, Tülay, Sebna und deren Väter und Mütter der Klasse 4c mit ihrer Lehrerin, sowie Herrn Pastor Rainer Schumacher.

 



...Schulkinder bringen Kerzen und Blumen

 

 

 

"Liebes Ehepaar Todtenhausen, liebe Kinder, liebe Freunde!

 

Dieser 9. Juli ist ein besonders schwerer Tag für uns alle.

Heute vor einem Jahr starb Julia ganz plötzlich und völlig unerwartet.

Da sind so viele Gedanken, die uns heute durch den Kopf gehen – Erinnerungen an Julia und Gefühle in uns.

Es ist gut, dass wir das heute Morgen miteinander teilen können und dass niemand alleine ist.

 

Wie knüpft man an,

an ein früheres Leben,
wie macht man weiter,
wenn man tief im Herzen zu verstehen beginnt,
dass man nicht mehr zurück kann?“


Diese Frage lesen wir auf der Homepage für Julia Todtenhausen im Internet.

 

Ihr, liebe Kinder, knüpft zunächst einmal an mit euren Lichtern, die ihr gerade herein getragen habt. Sicherlich habt ihr dabei zurückgedacht an den Morgen, als wir vor einem Jahr schon einmal hier waren und Kerzen für Julia angezündet hatten.

Möge das Licht dieser Kerzen unsere Gedanken aufhellen und ihre Wärme ein Stück Geborgenheit schenken.

 

So halten wir dieses Jahresgedächtnis im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

 

Lied: Herr, deine Liebe 1-3

 

Kinder: Musik und Text „Tröste mich, mein Engel“

 

Tröste mich, mein Engel, bin ja so allein,

und ich denk, ich kann nie wieder richtig fröhlich sein.

Kommt zu mir mein Engel und bleibt bei mir stehn,

kann ich ihn an meiner Seite blind vor Leid nicht sehn.

 

Stumm legt da mein Engel um mich seinen Arm, und ich fühle mich geborgen, und mir wird ganz warm. Streichelt mich mein Engel ganz behutsam, dann spüre ich, dass ich trotz allem etwas lächeln kann.

 

Seine gute Stimme hör ich leider nicht, doch versteh ich tief im Innern, was er zu mir spricht. Alles wird ganz anders, wenn man nicht mehr weint, und ich seh auf einmal, dass die Sonne für mich scheint.

 

Tröstet mich mein Engel, kann es weitergehn.

Und mit seiner Hilfe kann ich meinen Tag bestehn.

Und mit seiner Hilfe kann ich meinen Tag bestehn.

 

"Liebe Kinder, liebes Ehepaar Todtenhausen, liebe Freunde von Julia:

 

Unser Zusammensein heute Morgen ist ein Zeichen: Julia ist nicht vergessen! Julia hat einen ganz festen Platz in unseren Herzen behalten!

 

Selbst ich, der ich Ihr zuvor nie begegnet bin, auch ich habe sie nicht vergessen.

Ich habe ganz oft in den letzten 12 Monaten an sie denken müssen.

 

Ich glaube, es ist so: Erst wenn es niemanden mehr gibt, der sich an einen Menschen erinnert – erst dann ist dieser Mensch in einem Nichts verschwunden.

 

Bei Julia ist das anders: Julia ist vor einem Jahr gestorben. Das ist wahr. Und ihre Fröhlichkeit und Ihr Lachen, ihre Traurigkeit und Ihr Weinen, ihre guten Gedanken und ihre Stimme haben wir seitdem nicht mehr erleben können.

 

Aber: Wir haben sie nicht vergessen. Und das ist nach allem, was vor einem Jahr passierte, das Wichtigste!

 

Julia hat uns gefehlt und sie fehlt uns immer noch. Das hat viele von uns so unendlich traurig gemacht! Da sind so viele Tränen geflossen, weil wir Julia immer noch so sehr vermissen.

Da ist eine Lücke entstanden, die durch nichts und niemanden ersetzt werden konnte – weder in der Schulklasse bei euch Kindern und noch viel weniger bei Ihnen, den Eltern.

 

Und wenn ich jetzt sage, dass es gut so ist, dann mag das im ersten Augenblick hart klingen, weil wir uns Julia ja so oft so gerne zurückgewünscht hätten.

 

Es ist wichtig, diese Lücke zu spüren, weil sie uns zeigt, dass die Gemeinschaft mit Julia eine gute Gemeinschaft war und sie einen ganz wichtigen Platz in unserem Leben hatte und wir in ihrem Leben.

 

Dietrich Bonhoeffer, ein evangelischer Pastor, hatte einmal geschrieben:

 

„Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines geliebten Menschen ersetzen kann, und man soll es auch gar nicht versuchen.
Man muss es einfach aushalten und durchhalten.
Das klingt zunächst sehr hart, doch ist es zugleich ein großer Trost.
Denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man auch durch sie miteinander verbunden.
Es ist verkehrt wenn man sagt: Gott füllt die Lücke aus.
Er füllt sie gar nicht aus sondern hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft - wenn auch unter Schmerzen - zu bewahren.
Je schöner und je voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt
die Qual der Erinnerung in stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“

Liebe Freunde,

 

Trauern ist Arbeit – sehr schwere Arbeit. Und Trauern ist ein Weg – ein sehr anstrengender Weg. Unser Zusammensein heute ist ein Teil dieser Arbeit und eine Station auf diesem Weg.

 

Für mich aber hat Dietrich Bonhoeffer mit seinen Worten so etwas wie ein Ziel dieses Weges beschrieben:

 

„Die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“

 

Ich weiß, wir sind heute nicht an diesem Ziel angelangt – wir sind irgendwo unterwegs.

 

Doch für uns alle und auch für die Gemeinschaft mit Julia, ist es wichtig, dieses Ziel in den Blick zu bekommen.

 

Ich möchte es so ausdrücken: nicht nur unsere Traurigkeit erzählen von dem Wert, den Julia für uns hatte und immer haben wird. Noch vielmehr erzählen unsere Dankbarkeit und die stille Freude über jeden Tag, der uns mit Julia geschenkt war davon, wie wertvoll sie für uns war: ein kostbares Geschenk.

 

Es wird immer diese Lücke in unserem Alltag bleiben. Wenn ihr, liebe Kinder, heute aufbrechen werdet zu eurer Abschlussfahrt an den gleichen Ort, an dem ihr im vergangenen Juni schon einmal wart – damals noch mit Julia – ich weiß es von eurer Lehrerin – dann wird das Bett, in dem Julia damals schlief, frei bleiben. Ihr wollt es so und das finde ich gut. Julia kann nicht ersetzt werden!

 

Doch wenn ihr euch dann erinnert, wie es mit Julia in eurer Klasse war, dann dürfen neben den Tränen, die vielleicht kommen, auch die schönen Geschichten gehören und auch das herzliche Lachen, wenn euch die fröhlichen Geschichten mit ihr einfallen.

 

Ihr habt eben den Text vom „Tröste-Mich-Engel“ vorgelesen. Da war auch davon die Rede, dass es Zeiten gibt, in denen man das Gefühl hat, nie wieder richtig fröhlich sein zu können. Aber da war auch vom Getröstet werden die Rede und davon, dann doch trotz allem wieder etwas lächeln zu können. Dieser „Tröste-Mich-Engel“ spricht nicht so, dass man seine Worte mit den Ohren hören könnte. Er spricht nicht die Sprache des Mundes, sondern die Sprache des Herzens.

 

Man versteht ihn ganz tief in seinem Innern. Er macht unser Herz wieder weit. Und er bewirkt, dass unsere Augen die Sonne wieder sehen, die für dich und für mich und für uns alle scheint!

 

So verstehe ich auch die Worte über der Anzeige für Julia, die wir vorgestern in der Zeitung sahen.

Da stand: „Wenn du einmal gestorben bist und dein Körper sich in tausend Sterne verwandelt wird jeder, der in die Nacht schaut, sich in den Himmel verlieben.“

 

Es ist so: der „Tröste-Mich-Engel“ schenkt uns wunderschöne Bilder von diesem Menschen und er zeigt uns überall Spuren von Julia, die uns trösten und die uns gut tun!

 

Das kann der Sternenhimmel sein oder die selbst in der tiefsten Nacht nicht untergehende Sommersonne am Nordkap, dort, wo Erde und Himmel sich ganz nahe kommen.

 

Ja, dieser „Tröste-Mich-Engel“, den ihr Kinder uns mit eurem Gedicht in diesen Gottesdienst mitgebracht habt! Für den möchte ich mich herzlich bedanken. Seine Stimme in uns, lehrt uns eine neue Sprache zu sprechen und unsere Welt ganz neu zu verstehen.

 

Auch die Schmetterlinge, die ihr gebastelt und mitgebracht habt sprechen seine Sprache und berichten von Gottes anderer Welt ganz tief in uns und ganz weit um uns herum.

 

 

Wisst ihr, dass oft gerade die Kinder, die an einer tödlichen Krankheit leiden, immer wieder und immer wieder den Schmetterling malen?

 

Ich glaube, das geschieht durch den „Tröste-Mich-Engel“, der ganz tief in ihnen spricht und den sie hören. Sie ahnen, dass sie ihren Körper verlassen werden wie ein Schmetterling den Körper der Raupe.

 

Schmetterlinge sind die vielleicht schönsten Zeichen dafür, dass dennoch kein Leben auf dieser Erde verloren geht! Deins nicht und meins nicht und ganz besonders das von Julia nicht.

 

Für mich sind eure Schmetterlinge Hinweis und Zeichen dafür, dass Julia jetzt in Gottes Welt lebt – schön und doch unsichtbar für uns – und dass sie es dort gut hat.

 

Ihr werdet nun eure Schmetterlinge zu diesen Blumen stecken, die ihr mitgebracht habt. Beides, die Blumen und die Schmetterlinge werden heute noch zu Julias Grab gebracht.

 

Schmetterlinge

 

Mit diesen Blumen und mit diesen Schmetterlingen tragen wir unsere Hoffnung und unser Vertrauen zu Julias Grab, dass sie in Gottes Welt und unsichtbar neben uns weiterlebt.

 

 

Meine Gedanken aber möchte ich an dieser Stelle in die gleichen Worten münden lassen wie bei meiner Ansprache in der Trauerhalle vor einem Jahr:

 

Es sind Worte des alten Kirchenvaters Augustin. Er sagt: „Unsere Toten sind nicht abwesend sondern nur unsichtbar. Sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.“

 

Eure Klasse, liebe Kinder,  wird mit dem Ende dieses Schuljahrs auseinander gehen. Manche von euch werden nach den Sommerferien das Gymnasium besuchen, andere die Realschule oder die Hauptschule oder die Gesamtschule.

 

Ich kann mir denken, dass ihr euch fragt, zu welcher Schule Julia jetzt wohl mitgegangen wäre.

 

Hört einmal ganz tief in euch hinein, was wohl der „Tröste-Mich-Engel“ dazu sagt!?

 

Ich möchte euch verraten, was der „Tröste-Mich-Engel“ den Eltern von Julia gesagt hat und sie möchte, dass ihr das wisst:

Julia ist in euren Herzen und sie geht mit jedem von euch mit – egal an welcher Schule ihr sein werdet!

Amen".

 

Kanon: Halleluja

 

Schüler:

 

Vater im Himmel, 

Julia kann nicht mehr zu uns kommen, mit uns Geschichten hören, Lieder singen, sprechen, malen, spielen.

Julia ist gestorben.

Sie ist jetzt bei dir.

Uns fehlt sie.

Wir wollen sie nicht vergessen,

ihren Namen, ihr Gesicht, ihren Gang.

ihre Haare, ihr Lachen, ihre Stimme.

Sie, wie sie war.

Wir sind traurig und wollen an Julia denken und sie nicht vergessen.

Aber viel wichtiger ist, dass du sie nicht vergisst.

Du hast ihren Namen ins Buch des Lebens geschrieben.

Lass sie bei dir sein und bleiben.

Wenn wir so traurig sind, dann lass uns nicht vergessen,

dass Julia dir gehört für immer.

Auch wir gehören dir und möchten dir gehören –

heute und immer.

 

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung;

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir Frieden.

Amen.

 

 

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